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Stefan Schönhackers
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[BRANDAUS]

M-11: Terror in Madrid

 

"Das ist Spaniens 11. September" - so kommentiert US-Präsident George W. Bush die Ereignisse von Madrid am 11. März 2004. Exakt 30 Monate nach den Anschlägen in New York und Washington fasst der Terror nun offenbar auch in Europa Fuß. Mehr als zehn Bomben mit insgesamt rund 200 Kilogramm Sprengstoff, in Reisetaschen verpackt und in vier verschiedenen Vororte-Zügen hinterlegt, verursachen an diesem Donnerstagmorgen eine menschliche Tragödie unglaublichen Ausmaßes. Die Zahl der Todesopfer liegt bei rund 200, die der Verletzten beträgt rund 1500. Es gilt als wahrscheinlich, dass der Ausgang der spanischen Parlamentswahlen (bei denen die konservative Regierung, die den Irak-Krieg unterstützt hatte, abgewählt wird) massiv von den Ereignissen beeinflusst ist.

Es ist dem Zufall oder der mangelnden Sorgfalt der Attentäter zu verdanken, dass nicht noch mehr Menschen getötet werden und dass es keine Opfer unter den Einsatzkräften gibt: Mehrere Bomben, deren Zündmechanismus offenbar versagt, werden vor Ort durch kontrollierte Sprengungen entschärft. Es stellt sich heraus, dass einige davon zu einem deutlich späteren Zeitpunkt detonieren hätten sollen - offenbar um die Einsatzkräfte von Rettung, Feuerwehr und Polizei zu treffen. Und es ist der zweiminütigen Verspätung eines der Züge zuzuschreiben, dass ein weiteres Ziel des Plans nicht erreicht wird: Ansonsten wären die Bomben zeitgleich in zwei im selben Bahnhof stehenden Zügen detoniert. Nach Aussage von Experten hätten die dabei entstehenden Druckwellen vermutlich das Bahnhofsgebäude zum Einsturz gebracht.

Obwohl der fatale terroristische Plan nicht vollständig aufgeht, handelt es sich um eine der schlimmsten Katastrophen in der Geschichte Spaniens. Es gibt zu wenige Krankenwägen, daher werden Verletzte mit Taxis in die Krankenhäuser transportiert. In einem nahe gelegenen Park wird ein Feldlazarett errichtet. Auf den Straßen werden die BürgerInnen zum Blutspenden aufgefordert. Stündlich werden neue, schlimmere Opferbilanzen veröffentlicht. Die Identifizierung der Opfer ist schwierig und nimmt deutlich mehr Zeit in Anspruch als die zuerst dafür eingeplanten 24 Stunden. Eine Liste der Verletzten wird im Internet veröffentlicht. Zahlreiche Opfer schweben in Lebensgefahr...

Taktische Überlegungen

Sofern nach einer Explosion ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, ist davon auszugehen, dass noch weitere Sprengsätze vorhanden sind. Diesbezügliche Beobachtungen sind sofort zu melden! Die Verständigung des Entschärfungsdienstes erfolgt durch Polizei oder Gendarmerie. Weiters ist die örtlich zuständige Strahlenschutzgruppe anzufordern, um eine "schmutzige Bombe" ausschließen zu können (siehe [hier] oder BRANDAUS 07-08/2003).

Nach Möglichkeit ist bei der Erstellung von Alarmplänen auf das Vorhandensein von möglichen terroristischen Zielen Rücksicht zu nehmen. Natürlich kann ein Anschlag überall passieren, wie die Ereignisse von Madrid drastisch zeigen. Dennoch gibt es Objekte, bei denen es sehr viel wahrscheinlicher ist, dass sie für Terroristen als mögliches Ziel in Betracht kommen:

  • Botschaftsgebäude und Konsulate
  • Symbolträchtige Gebäude
  • Einrichtungen der Infrastruktur

Diese Liste erhebt naturgemäß keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit. Die Nennung weiterer Objekte wäre zwar möglich, in einer frei erhältlichen Zeitschrift aber nicht sinnvoll.

Es ist sicherlich für die meisten Feuerwehren interessant, sich z. B. im Kreise der Chargen zu überlegen, welche möglichen Ziele es im eigenen Einsatzgebiet gibt und mit welchem Schadensausmaß im Fall eines Angriffs zu rechnen wäre. Durch diese Überlegungen kann man zweifelsohne wichtige Erkenntnisse gewinnen, die bei anderen Großschadenslagen (Gasexplosion, Zugunglück, ...) in identischer Form anzuwenden sind. Probleme, die in diesem Zusammenhang ebenfalls bedacht werden sollten, sind beispielsweise:

  • Versorgung bei länger andauernden Einsätzen
  • Ablösung der eingesetzten Kräfte
  • Kommunikation bei Zusammenbruch der Mobilfunknetze
  • Mögliche Probleme bei Stromausfall

Derzeit gilt es als sehr unwahrscheinlich, dass Österreich zur Zielscheibe des internationalen Terrors wird. Dennoch ist es unsere Aufgabe als Einsatzorganisation, mit dem schlimmsten Fall zu rechnen und bestmöglich darauf vorbereitet zu sein.

Quellen

ORF online
[Externer Link] http://orf.at/

CNN online
[Externer Link] http://cnn.com/

 

   
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