[Gefahren-ABC]

Stefan Schönhackers
Gefahren-ABC

[home] > [Online Index] > [Rauchgase] > [online]

   

[BRANDAUS]

Rauchgase

 

Das Einatmen von Rauchgasen ist eine der größten Gefahren beim Brandeinsatz. Gleichzeitig ist Rauchgasvergiftung die häufigste Todesursache bei Bränden - zwischen 80 und 90 Prozent aller Brandopfer sterben durch die Rauchgase und nicht durch die Flammeneinwirkung.

Was brennt?

Woraus sich Rauchgase zusammensetzen, ist stark von den brennenden Stoffen abhängig. Relativ harmlos sind die Rauchgase bei der Verbrennung anorganischer Stoffe - man denke beispielsweise an ein Feuerwerk. Leider haben wir es im Einsatz fast ausschließlich mit brennenden organischen Stoffen zu tun.Als "organisch" bezeichnet man diejenigen Stoffe, die das chemische Element Kohlenstoff enthalten. Dazu gehören also beispielsweise alle Pflanzen- und Tierprodukte (Holz, Leder, ...) sowie alle Erdöl-Produkte (Treibstoffe, Kunststoffe, Kunstfasern, ...). Der in diesen Stoffen enthaltene Kohlenstoff kann zu zwei unterschiedlichen Gasen verbrennen, nämlich Kohlendioxid und Kohlenmonoxid.

Weiters enthalten fast alle organischen Stoffe Wasserstoff, der mit dem Sauerstoff der Luft vollständig zu Wasser (H2O) verbrennt (das durch die Verbrennungstemperaturen natürlich als Wasserdampf vorliegt).

Kohlendioxid

Kohlendioxid (CO2) ist ein erstickend wirkendes Gas, das schwerer als Luft ist. Seine Gefährlichkeit besteht darin, dass es den Sauerstoff der Luft verdrängt. Es entsteht bei der Verbrennung organischer Stoffe mit ausreichenden Mengen Sauerstoff. Bekannt ist es auch als "Gärgas", das in Weinkellern entsteht. Zu den Gefahren von Kohlendioxid siehe BRANDAUS 01/2003 oder [hier].

Kohlenmonoxid

Kohlenmonoxid (CO) ist ein giftiges Gas, das (etwas) leichter als Luft ist. Es entsteht bei der Verbrennung organischer Stoffe bei Sauerstoffmangel. Seine Giftwirkung beruht auf einer Blockade des Sauerstoff-Transportes im Blut. Zu den Gefahren von Kohlenmonoxid siehe BRANDAUS 01/2003 oder [hier].

Ruß

Rußpartikel können ebenfalls bei der Verbrennung organischer Stoffe entstehen. Es handelt sich dabei um winzige unverbrannte Kohlenstoff-Teilchen. Diese können auftreten, wenn die Verbrennung rasch abläuft und dadurch nicht ausreichend Sauerstoff zum Brandherd zuströmen kann. Rußpartikel können Lungenkrebs hervorrufen!

Chlorwasserstoff

Bei der Verbrennung von Stoffen, die das chemische Element Chlor enthalten (z.B. der weit verbreitete Kunststoff PVC), kann Chlorwasserstoffgas entstehen. Kommt dieses Gas mit Wasser in Berührung (z.B. auf den Schleimhäuten), so entsteht ätzende Salzsäure!

Dioxine

Die in den Medien oft als "Ultragifte" bezeichneten Dioxine sind ebenfalls Chlor-Verbindungen und können daher nur dort entstehen, wo Chlor-Atome vorhanden sind (PVC, ...). Dioxine sind ebenfalls Krebs erregend.

Stickoxide (NOx)

Zu den Stickoxiden zählen Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2). Beide Verbindungen entstehen bei der Verbrennung stickstoffhaltiger Produkte, beispielsweise NPK-Dünger. Sie sind an der charakteristischen Braunfärbung erkennbar, schwerer als Luft und sehr giftig. Durch gezielten Einsatz von Hydroschildern lassen sich Stickoxide allerdings gut aus der Luft auswaschen.

Schwefeldioxid

Brennen schwefelhaltige Stoffe (z.B. vulkanisierter Gummi), so kommt es zur Bildung von Schwefeldioxid (SO2). Es handelt sich dabei um ein stechend riechendes, ätzendes und giftiges Gas. Wie für die Stickoxide gilt, dass es sich gut aus der Luft auswaschen lässt.

Grundsätzliche Gefahren

Für alle Bestandteile von Rauchgas gilt allgemein, dass sie der Gesundheit des Menschen massiv schaden können. Diese schädliche Wirkung beruht allerdings auf unterschiedlichen Mechanismen: während z.B. Kohlendioxid "nur" den Sauerstoff verdrängt und daher zum Ersticken führt, wirkt Kohlenmonoxid als Gift und andere Gase, wie z.B. Chlorwasserstoff oder Schwefeldioxid, zeigen (auf den Schleimhäuten, in den Augen, Atemwegen etc.) ätzende Eigenschaften. Schließlich können Rußpartikel und Dioxine durch ihre Krebs erregende (kanzerogene) Wirkung Langzeitschäden auslösen.

Schutzmaßnahmen

Wesentlich ist es, bei Vorliegen einer Verrauchung mit entsprechendem Eigenschutz vorzugehen. Das bedeutet automatisch den Einsatz von umluftunabhängigem Atemschutz im Gefahrenbereich.

Auch bei Aufräumungsarbeiten ist weiterhin eine Gefährdung durch Rauchgase gegeben - man sollte also auch dann nicht auf den Schutz der eigenen Gesundheit verzichten!

Weitere Gefahren

Es darf nie vergessen werden, dass es sich bei Rauchgasen teils um brennbare Gase handelt! Eine massive Gefahr in einem verrauchten Bereich ist also, je nach den Umständen (bzw. der Phase des Brandes), möglicherweise auch das Durchzünden der Rauchdecke - in Form eines Flashover (siehe BRANDAUS 04/2003 oder [hier]) oder eines Backdraft (siehe BRANDAUS 09/2003 oder [hier]).

Quellen

  • Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 258. Auflage
  • Spektrum Akademischer Verlag: Lexikon der ChemieA-Z, Ausgabe 2001
  • Lehrgangsunterlagen Brandschutztechnik-Modul 4 "Wärmelehre und Verbrennung" (NÖ Landes-Feuerwehrschule, November 2001)


   
[schoenhacker.at]

© 2002-2005 Mag. Stefan Schönhacker | [Kontakt] | [Website]
[Impressum] | [Copyright-Hinweis] | Letzte Änderung: Mittwoch, 05.01.2005